Integration & Begleitung
Wohnen im Tulip
Halt und Freiraum unter einem Dach
Francine Bornand
Leiterin Fachbereich Wohnen


Die 19-jährige Melina hat sich bereits beim Schnuppern bei Battenberg für eine Wohnlösung der Stiftung entschieden. Heute ist sie lernende Uhrmacherin EFZ im ersten Lehrjahr und lebt in einer Wohngemeinschaft am Standort Tulip. Dort erlebt sie einen Alltag, der ihr Stabilität gibt – und ihr Schritt für Schritt mehr Selbstständigkeit ermöglicht.
Melina ist im ersten Lehrjahr als Uhrmacherin EFZ bei der Stiftung Battenberg. Ihr Ausbildungsatelier befindet sich am Standort Juravorstadt in Biel. Montags und dienstags pendelt sie nach Grenchen in die Schule. Ihr Alltag beginnt früh mit dem Zmorge in der Cafeteria – ein Stockwerk unter ihrer WG in der modernen Wohnüberbauung Tulip. Auf die Fahrt zum Ausbildungsort folgt ein klar strukturierter Arbeitsrhythmus bis zum späteren Nachmittag.
Vor der Rückkehr ins Tulip kauft sie gelegentlich noch ein paar Lebensmittel ein oder besucht den Wollladen, um Material für neue Häkelprojekte zu besorgen. Das Häkeln begleitet sie täglich. «Es macht mir viel Spass und ich kann kreativ sein», sagt sie. Auch ruhige Momente im Zimmer, kurze Nickerchen oder ein Spaziergang durch die Bieler Altstadt gehören für sie zu einem ausgeglichenen Tag.
Bis zum Abendessen ruht sie sich oft aus, scrollt auf ihrem Handy oder schläft kurz ein, danach trifft sie sich pünktlich um 18:15 Uhr mit den anderen Bewohnerinnen und Bewohnern sowie dem Wohnteam zur Vorbereitung des Nachtessens. Kochen hat sie hier gelernt – und mit jeder gemeinsamen Mahlzeit wuchs ihr Selbstvertrauen: «Am Anfang war ich so nervös und ich wollte nicht unfähig wirken. Die Betreuungspersonen haben mir gezeigt, wie es geht. Heute kann ich es fast auswendig.»
Gemeinschaft erleben und Selbstvertrauen aufbauen
Der strukturierte Wochenplan des Tulip schafft Orientierung. Dazu gehören das Kochen in der Gruppe, gemeinsame Aktivitäten, Bewegungseinheiten sowie der Reinigungs- und Wäschewechseltag. Melina erlebt diese Regelmässigkeit als hilfreich: «Ich muss nicht überlegen, was ansteht. Das gibt mir Ruhe.»
Sie wohnt seit dem Schnuppern mit ihrer Mitbewohnerin zusammen. Beide besuchen dasselbe Atelier und verbringen auch im Wohnalltag gerne Zeit miteinander. Gemeinsames Häkeln, Musik hören oder Gespräche über persönliche Themen prägen das Zusammenleben. Gleichzeitig findet Melina in der Garage des Tulip einen Ort, an dem sie ungestört Geige üben kann.
Die jungen Menschen schätzen die Mischung aus Rückzugsmöglichkeiten und gemeinschaftlichem Alltag. Melina beschreibt ihr Zimmer als einen Ort, an dem sie zur Ruhe kommt und sich wohlfühlt: «Hier kann ich abschalten, wenn der Tag intensiv war.»
Wenn sie vor Herausforderungen steht, ist das Wohnteam zur Stelle und sucht das Gespräch mit ihr – eine Unterstützung, die sie als sehr wertvoll empfindet: «Man merkt, dass sie zuhören wollen. Das hilft mir, wieder klarer zu sehen.»
Das Wohnteam im Tulip begleitet die Jugendlichen und jungen Erwachsenen von Montag bis Freitag. Die Wochenenden verbringt Melina, wie die meisten anderen, häufig bei ihrer Familie: «Ich freue mich auf meine Freunde. Und ich schlafe am Wochenende gerne aus. Das tut mir gut.» Melina profitiert von beiden Wohnorten. Der Wechsel zwischen ihrem Zuhause im Tulip und ihrem familiären Umfeld gibt ihr Erholung und stärkt sie für die neue Woche.
Ausbildung und Wohnalltag im Gleichgewicht
Die Balance zwischen Gemeinschaft, persönlicher Freiheit und individueller Begleitung hilft Melina, Verantwortung zu übernehmen und sich mehr zuzutrauen. Mit ihrer Wohnbezugsperson erhält sie dabei den Rückhalt, den sie in der herausfordernden Ausbildungsphase benötigt.
Für Melina ist das Tulip mehr als ein Wohnangebot. Es ist ein Umfeld, in dem sie Verantwortung übernimmt, Neues ausprobiert, Beziehungen lebt und auf ihrem Weg in ein selbstständiges Leben wachsen kann.






