Emotionen

2025

Integration & Bildung

Interview mit Dominik Strobel

Ein neuer Rahmen für den Berufseinstieg

Michèle Bash

Leiterin NPO-Marketing

Die Mosaiksteine von «the frame»

«the frame» ist modular aufgebaut und besteht aus acht sogenannten «Mosaiksteinen», die den Rahmen vorgeben. Jeder Stein setzt einen anderen Entwicklungsschwerpunkt: 

frame in: Orientierung, Ankommen, Abläufe kennenlernen

evolution: persönliche Standortbestimmung, Zielsetzungen, Steigerung der Präsenz

individual projects: eigenständige Projektarbeit zur Vorbereitung auf Ausbildung bzw. Anschlusslösungen

input: kurze Lerneinheiten zu Alltagsthemen wie Konflikte, Stress, Finanzen oder Suchtprävention

Individuum

frame out: berufliches Ziel definieren, Austritt vorbereiten, nächste Schritte planen

team projects: gemeinsames Arbeiten in Gruppen – Verantwortung übernehmen, Zusammenarbeit strukturieren

workspace: Kombination aus schulischen Grundlagen und praktischer Arbeit zur Vorbereitung auf die Arbeitswelt

group activities: soziale Kompetenzen stärken, Teamspirit fördern

Wie bei einem Mosaik fügen sich die einzelnen Elemente zu einem klaren Gesamtbild, das den nächsten beruflichen Schritt vorbereitet.

Die Situation von Jugendlichen am Übergang zwischen Schule und Ausbildung ist in den letzten Jahren deutlich komplexer geworden. Dominik Strobel, stellvertretender CEO und Leiter des Geschäftsbereichs Arbeitsintegration, ordnet diese Entwicklung ein und erklärt, wie die Stiftung Battenberg im Berichtsjahr mit dem neuen Programm «the frame» darauf reagiert hat.

Lieber Dominik, 2025 wurde ein neues Programm für Jugendliche und junge Erwachsene lanciert. Warum war dieser Schritt nötig?

Die Ausgangslagen von Jugendlichen, die Unterstützung durch die IV erhalten, haben sich spürbar verändert. Die biografischen Hintergründe, Lernvoraussetzungen und Unterstützungsbedarfe sind heute sehr heterogen. Insbesondere psychische Belastungen und die Komplexität derselben haben weiter zugenommen. Gleichzeitig steigen die Erwartungen auf dem Arbeitsmarkt – nicht nur fachlich, sondern vor allem auch in Bezug auf Selbstorganisation, Zuverlässigkeit und Sozialkompetenzen.

Viele Jugendliche, die mit grösseren Herausforderungen konfrontiert sind, erfüllen die in der Ausbildung gestellten Anforderungen nach der obligatorischen Schulzeit noch nicht und sind noch nicht für den Übergang in die Arbeitswelt bereit. In der Folge können sie während der Ausbildung nicht mithalten, was sich häufig in Instabilitäten bis hin zu Lehrabbrüchen zeigt. Dabei geht es nicht primär um schulische Defizite, sondern vielmehr um fehlende Orientierung und Struktur.  

Mit dem neuen Programm «the frame» reagierten wir auf diese Realität.  

Wir haben in der Begleitung von Jugendlichen einen Bereich identifiziert, der bisher zu wenig abgedeckt war: ein Angebot, das sowohl hohe Struktur als auch flexible Individualisierung verbindet und nicht primär schulische Defizite schliesst, sondern die Jugendlichen in ihrer Ganzheit stärkt. Genau hier lag eine Lücke.

Kannst du das vertiefen? Worin unterscheidet sich «the frame» von anderen Integrationsangeboten?

Viele Jugendliche benötigen zunächst Orientierung, Stabilität und die Möglichkeit, sich in einem geschützten Rahmen an die Anforderungen des Arbeitsalltags heranzutasten – bevor überhaupt an Ausbildung oder erste Arbeitsmarktintegration zu denken ist. Das frühere Angebot bot zwar einzelne Elemente davon, aber nicht in dieser klaren, modularen und konsequent entwicklungsorientierten Form.

Mit «the frame» haben wir nun erstmals ein Programm geschaffen, in dem persönliche Entwicklung, Alltagskompetenzen, Berufsorientierung und praxisnahe Erfahrungen gleichwertig zusammenspielen – und in dem die Jugendlichen ihren Weg aktiv mitgestalten. Dadurch entsteht eine Passgenauigkeit, die wir zuvor so nicht bieten konnten.

Was ist das zentrale Ziel von «the frame»?

Das Programm soll Jugendliche schrittweise an den Arbeitsalltag heranführen, ihre persönliche Entwicklung fördern und sie auf eine realistische berufliche Anschlusslösung vorbereiten. Dazu gehören Zuverlässigkeit, das Kennen der eigenen Stärken und Schwächen, das Erlernen von Bewältigungsstrategien sowie konkrete berufliche Erfahrungen – sei es intern in einem unserer Berufsfelder oder extern im ersten Arbeitsmarkt.  

Letztlich geht es darum, Perspektiven zu schaffen, die motivieren und erreichbar sind.

Um dies zu erreichen, wird auf einen modularen Aufbau gesetzt. Welche Themen werden konkret abgedeckt?

Das Programm besteht aus acht sogenannten «Mosaiksteinen», die unterschiedliche Entwicklungsschwerpunkte setzen. Sie reichen von Orientierung und Standortbestimmung über individuelle Projektarbeiten und Gruppenprojekte bis hin zu praxisnahen Arbeitseinsätzen und der gezielten Vorbereitung des nächsten beruflichen Schrittes. Die Schwerpunkte richten sich nach den individuellen Bedürfnissen der Teilnehmenden.

So werden persönliche Entwicklung, Alltagskompetenzen, Teamarbeit und berufliche Perspektiven systematisch miteinander verbunden.

Wie erlebst du die Entwicklung der Jugendlichen im Programm?

Für mich ist es beeindruckend zu sehen, wie schnell Jugendliche Fortschritte machen, wenn sie einen klaren Rahmen, verlässliche Bezugspersonen und Erfolgserlebnisse haben. Viele starten mit wenig Selbstvertrauen und einer grossen Unsicherheit. Durch die regelmässigen Gespräche, die Feedbackschlaufen und die praxisnahe Arbeit gewinnen sie Schritt für Schritt an Orientierung, Motivation und Selbstwirksamkeit.  

Es entsteht ein individuelles Mosaik aus Erfahrungen, Kompetenzen und Erkenntnissen. Und genau das ist das Herzstück von «the frame»: Jede und jeder gestaltet sein eigenes Bild.

Was macht dich persönlich besonders stolz an diesem neuen Angebot?

Mich beeindruckt die gemeinsame Kraft, die hinter «the frame» steht. Unser Team aus Integrationsfachpersonen und beruflich agogischen Fachpersonen hat unglaublich viel Know-how und Leidenschaft in die Entwicklung gesteckt. Und wir sehen bereits jetzt, wie Jugendliche davon profitieren.

Das Programm schafft nicht nur Struktur – es schafft neue Möglichkeiten für junge Menschen und für uns in der Integrationsarbeit. Und das ist ein sehr schönes Gefühl.

Wird «the frame» auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen?

Absolut. Die Arbeitswelt verändert sich, und Jugendliche brauchen heute mehr denn je ein Programm, das ihnen ermöglicht, strukturiert, individuell und praxisnah an berufliche Anforderungen herangeführt zu werden.

Wir sehen «the frame» als langfristige Investition. Sein modularer Aufbau macht es flexibel erweiterbar – sei es um neue Berufsfelder, digitale Kompetenzen oder neue Formen der Zusammenarbeit. Dadurch können wir auch künftig sehr individuell auf sich verändernde Bedürfnisse reagieren.  

Merci für das Interview, Dominik.